Freitag, 14. Oktober 2011

SFI-Geschichten

Nach einem etwas beschwerlichen Start bin ich nun in der besseren Schwedisch-Klasse und habe eine supergute Lehrerin. Es gefällt mir sehr, ich bin gefordert, ich mache Fortschritte und ich geniesse den Unterricht, er ist lustig und spannend. Die Gruppe ist ein bunter Haufen aus Afrikanern, Philippinerinnen, Deutschen, Irakern, alles mögliche. Doch die Kommunikation funktioniert, entweder in Englisch oder gebrochenem Schwedisch. Die Stimmung ist locker, wir lachen immer wieder und unsere Lehrerin geht auf unsere Beiträge, Vorschläge und Wünsche ein. Jeden Morgen fragt sie, ob es Neuigkeiten gibt aus unseren Ländern und diese Woche fragte eine Frau aus Afghanistan, warum Schwedinnen und Schweden oft so deprimiert seien. Daraus entwickelte sich eine Diskussionsrunde, weil unsere Lehrerin in den Raum fragte, was wir denken.
Am Mittwoch hatten wir den Auftrag, von unserer Wohnsituation im Heimatland zu erzählen. Es dauerte den ganzen Morgen und war fantastisch interessant. Viele erzählten auch von ihrer Kindheit und der Situation in ihrem Heimatland. Ich war berührt und fasziniert von ihren Erzählungen von Hütten-Siedlungen, von Vätern mit 21 Kindern, von kleinsten Wohnungen, Krieg-Opfer und Abfall auf der Strasse. Alle zusammen ergab es eine Geschichte von grössten Unterschieden. Nachdem ich erzählt habe von unserem alten Haus und dem Ofen und dem nahen Bahnhof, sagte meine Lehrerin, sie sei beeindruckt. Ich meinte, von meinen Schilderungen, doch sie sagte, wie gut ich Schwedisch sprechen könne. Das ist schön, zu hören!
Viele Klassenkameradinnen und -kameraden sind Flüchtlinge, es gibt aber auch einige, die eine schwedische Freundin haben oder einen schwedischen Mann. Ein Eritreer fragte mich, ob ich mit Mama und Papa hierher gekommen sei. Als ich verneinte, fragte er "Husband? Your husband here?".
Ich lerne nicht nur Schwedisch, sondern ich lerne auch viel über die Welt und ihre Geschichten und über Menschen. Mir gefällt es sehr!

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