Samstag, 12. November 2011

Reisebericht III: Malmö

Malmö ist die drittgrösste Stadt Schwedens, eine halbe Million Einwohnerinnen und Einwohner. Um noch ein paar Worte über Humangeographie in Schweden zu verlieren; Mit 1.5 Millionen in Stockholm, 1 Million in Göteborg und einer halben Million in Malmö leben die Hälfte aller Schwedinnen und Schweden, 3.5 Millionen, in den drei grössten Städten. Der grösste Teil des Rests lebt in der südlichen Hälfte und nur der kleinste Teil in der gleich grossen oberen Hälfte. Die meisten Schwedinnen und Schweden waren gar nie so hoch im Norden wie ich jetzt bin.

Am (U-)Bahnhof Malmö Triangeln, von der Umgebung und Bevölkerung her vergleichbar mit Zürich Oerlikon, erwartete uns der Rest unserer Volontär-Gruppe. Bei Daniel aus Costa Rica logierten wir, Karen aus Mexiko war schon vor uns in Malmö und Edgar aus Costa Rica war bei Daniel in den Ferien, er ist Volontär in Deutschland. Wir waren nun also sieben Jugendliche und dementsprechend eng wurde es, sobald wir das Nachtlager aufschlugen. Daniels Zimmer ist in einem Lagerhaus, ein ehemaliges Studio. Eigentlich recht grosszügig, aber mit sechs zusätzlichen Personen sowie Koffern und Taschen schrumpfte es ein wenig. Wir vier Mädchen schliefen auf einem zwei-Matratzen-Bett, Gustavo rollte sich auf dem Sofa zusammen und Edgar und Daniel schliefen auf einer dünnen Matratze. Aber das war gar kein Problem. Als ich zurück kam, vermisste ich es sogar, nicht alleine schlafen zu müssen.

In Malmö nahmen wir es gemütlicher, wir hatten mehr Zeit. Am Mittwoch besichtigten wir die Stadt - zu Fuss. Von Daniels Logi dauert es etwa 50 Minuten, bis man wirklich Downtown ist. Wir besuchten Stortorg und Lilla Torg, zwei schöne Plätze. Nach ein bisschen Suchen fanden wir das Museum Form&Design, wo Hochschul-Schülerinnen und -Schüler ihre Werke ausstellen. Beim Besichtigen von Papierfiguren auf kleinen Tischchen mit drei dünnen Beinchen stiess ich an eines der Beine und das Ganze viel um. Ich lief rot an und wusste nicht, was tun, während Rebekah mich ungehemmt fotografierte (was ich erst im Nachhinein vernahm)! Eine Frau vom Museum war sofort zur Stelle und versicherte mir, das mache gar nichts, das passiere ständig, und geschickt stellte sie die kleinen Kunstwerke wieder auf. Während den folgenden Tage durfte ich die Geschichte noch oft hören...

Wir besichtigten den berühmten Turning Torso, das Hochhaus, das sich von unten bis oben um 90° dreht. Leider war es so neblig, dass wir das Ende gar nicht erkennen konnten. Wir sahen es erst, als wir beim Eingang standen. Die Latinos waren schwer enttäuscht vom nahen Strand. Das sei gar kein Strand und plötzlich vermissten sie alle ihr Costa Rica, Kolumbien, Honduras und Mexiko. Zurück in der Wärme waren wir alle sehr müde vom vielen Laufen. Zum Znacht gab es ein mexikanisches Gericht mit Tortillas und Käse, leider konnte ich mir den Namen nicht merken, aber es schmeckte ausgezeichnet!

Donnerstags machten sich Karen, Rebekah und ich auf zum Malmöhus, wo sich viele Museen befinden. Die anderen blieben zu Hause, die einen zum Geld sparen, die anderen wegen dem Bett. Für 40:- (5.50 Franken) durften wir ins Naturmuseum, Geschichtsmuseum, Kunstmuseum, Schiffahrtsmuseum und konnten die erhaltenen Teile des Schlosses besichtigen. Das eindrücklichste war eine temporäre Ausstellung, wo Mark Edwards jede einzelne Zeile von Bob Dylans' 'It's a Hard Rain's A-Gonna Fall' mit einem Photo illustriert hat. Starker Text, starke Bilder.

Nachdem wir am Freitag in Kopenhagen waren (Bericht folgt), reisten wir am Samstag schon wieder ab. Ich wäre am liebsten geblieben, in der Gesellschaft meiner Freunde und mit etwas Grossstadtluft war ich so glücklich! Doch unser Billett war ej återbetalas, konnte nicht zurückgezahlt werden und auch nicht umgebucht. Und so machten wir uns nach einem letzten Reiseproviant-Einkauf im Billig-Supermarkt auf den Weg zurück zum Bahnhof, zurück in den Norden.

Was ich sicherlich empfehle ist das Malmöhus. Viel Kultur, für alle etwas, zu einem super Preis! Ansonsten ähnelt die Stadt meiner Meinung nach sehr Kopenhagen, ist aber nicht gleich schön.

 Alte Reklame beim Stortorg
 Lilla Torg
 'Velo abstellen verboten' beim Lilla Torg
 Die verhexten Papierfiguren im Form&Design-Museum
"We are in the royal park!" Gustavo: "Of course, my princess.", Kungsparken 
 Turning Torso
Malmö Hafen 
 Mark Edwards' Ausstellung
 Dalarnahäst in der Art Gallery im Malmöhus, bekanntes Holzpferd aus Schweden
Unser Lager, tagsüber haben wir das eine 'Bett' weggeräumt

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