Dienstag, 29. November 2011

Über dem Polarkreis

Sandra besucht den Kirchen-Grundkurs und residiert auch im Internat. Sie wohnt weiter oben im Norden in einem kleinen Nest namens Svanstein, nahe Övertorneå und genau an der Grenze zu Finnland. Dorthin hat sie uns eingeladen.

Wir waren sechs Personen und brauchten darum ein grösseres Auto. Wir mieteten das Büschen der Schule, ein Neunplätzer. Die Fahrt dauerte etwas länger als drei Stunden. Wir fuhren direkt nach Finnland, wo wir Essen einkauften und unsere Mägen füllten. Sandra hatte mich vorgewarnt, dass in Finnland vegetarisches Essen eher unüblich sei. So hat die Frau in der kleinen, alten Grillbude ("Grillis"), die nur Finnisch verstand, auf unsere Frage nach Vegetarischem geantwortet: "Poulet". Die finnische Sprache ist von Grund auf anders als jede andere Sprache, die ich kenne. Ich verstehe absolut nichts!
Weil es im kleinen Svanstein keine Wohnungen, sondern eigentlich nur Häuser gibt, wohnt Sandra mit ihrem Freund in einem kleinen roten Häuschen. Sie war glücklich, dass es uns so gut gefiel und sagte immer wieder, wie wenig Geld sie gehabt hätten. Wir mussten sie fast bremsen, alles zu relativieren.
Ihre Eltern wohnen etwa 2 Kilometer entfernt - und sie haben eine Aussensauna (Utebastu)! Wie ein Gartenhäuschen sieht sie aus und zum Abkühlen konnten wir uns im Schnee wälzen. Leider hatte es nicht so viel, aber nur im Bikini draussen stehen und nicht zu frieren hat auch seinen Reiz. Über dem Horizont entdeckte ich leicht grünleuchtende 'Wolken' und Sandra versicherte mir, dies sei Polarlicht! Es war leider schon am verschwinden und deswegen nur schwach...

Am Samstagmorgen waren wir schon früh auf, man muss die Sonne nämlich ausnützen, bevor es um 14:00 dunkel ist. Wir machten uns auf in den Wald und liefen zu einem Brätelplatz bei einem Biotop / Naturschutzgebiet. Dort gibt es eine Kallkälla, eine Kaltwasserquelle. Vorsichtig kann man beobachten, wie aus dem Boden Wasser aufsteigt, absolut reines und klares Wasser. Ich habe noch nie so etwas gesehen und war hin und weg von diesem besonderen Ort! Ich hatte das Gefühl, das ist der Beweis dafür, dass die Natur funktioniert und uns versorgen kann, mit dem, was wir brauchen. Gleichzeitig war das so klein, so fein, und als wir etwas Wasser in eine Flasche füllten, mussten wir darauf achten, keine Bewegung in die Tiefe zu bringen, sonst würde das den Sand aufwühlen und das Wasser verunreinen.
Abends durften wir bei Sandras Eltern Znacht essen. Elch, der ihr Vater selbst geschossen hat! Nach langer Zeit ass ich wiedermal Fleisch und kam mir etwas komisch vor dabei. Aber es war wirklich sehr lecker!

Am Sonntag besuchten wir den Erst-Advents-Gottesdienst. So viel wie ich verstand, sprach der Pfarrer etwas viel von Sünden und Vergebung, also hörte ich auf, zu übersetzen. Die Kirche selbst gefiel mir sehr! Aussen ist sie rosa - weil rosa wohl so besonders war, als sie gebaut wurde. Innen sieht man schöne braune Holzwände. Es gibt fast keinen Prunk, kein glänzendes Gold und riesige Kreuze, sondern mit Erdfarben an die Wand gemalte Vorhänge über den Fenstern. Die Bänke waren knallrot!

Nach anschliessender Fika und packen mussten wir uns schon wieder auf den Heimweg machen. Wir stoppten beim Polarkreis, der etwas südlich von Svanstein durchgeht. Was ich dabei lernte: dieser wandert innerhalb von 18.6 Jahren ganze 580 Meter! Ich war erstaunt.

In Svanstein sieht man immer wieder ein paar Rentiere rumlaufen. Die sind so normal, dass sie sogar schon nerven. Währenddem wir einige fotografierten, kam ein Mann ums Haus gerannt und scheuchte sie weg. Jedes Rentier hat einen Besitzer. Im Frühling lässt man die Tiere frei und sie kommen im Herbst wieder zurück. Von einer Lehrerin habe ich gelernt, man müsse samische Wurzeln haben, um Rentiere besitzen zu können.

Kurze Nebeninformation: Normale Kompasse funktionieren hier oben nicht mehr. Man braucht Spezialanfertigungen.

 Finnisch... Noch Fragen?
 Sauna
 Samisch anmutende Hütte beim Brätelplatz
Kallkälla 
 Rentiere
 Aussicht über Svanstein; sie andere Seite des Flusses ist Finnland
 Mafe und ich
 am Polarkreis
 die rosa Kirche in Svanstein
unsere schöne Unterkunft

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